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Mein leben als digitaler Nomade in Südostasien

Submitted by admin on Mon, 09/23/2019 - 15:28
Tags:
Digitaler Nomade
Auswandern

Ein Leben als digitaler Nomade in Asien, das war mein Lebenstraum, davor hatte ich eine Webagentur (ZLOSCH) über Jahre hinweg in Wien geleitet, mit 4 Mitarbeitern hatten wir uns in kurzer Zeit einen Namen gemacht und namhafte Kunden in Österreich, Deutschland und der Schweiz betreut. Neben meiner Haupttätigkeit als Drupal Entwickler haben wir Wartungsverträge für Drupal Projekte angeboten.

2017 war ein furchtbares Jahr, erst ist meine Mutter verstorben, dann noch Ihre Zwillingsschwester, für mich war dies ein Zeichen, jetzt kannst du in dein Abenteuer starten, es kann losgehen, also haben wir im Juni 2017 unsere Koffer gepackt und sind in die schöne Küstenstadt Sihanoukville gereist.

Das erste Jahr in Sihanoukville war ein Traum, ich habe, meine heutige Frau kennengelernt, wir sind fast täglich mit dem Motorrad an den Strand gefahren. Die Community in dieser kleinen Stadt war grandios, es gab viele Deutsche, Engländer, Australier, es war einfach immer was los und sogar das ein oder andere Projekt war vor Ort zu haben.

Sihanoukville beach

Leider währte dieses Glück nicht lange, es trudelten immer mehr Chinesen ein, es wurden riesige Casinos errichtet und in kurzer Zeit wurde Sihanoukville zu einer riesigen Müllhalde und Baustelle. An den schönen Stränden sah man braune Abwässer ins Meer rinnen, die Mieten konnte man sich nicht mehr leisten, für Wohnungen oder kleine Häuser wo man zuvor 200-300 USD bezahlt hat, kosteten auf einmal das 10 -20-fache, ja richtig, ich spreche von kleinen Wohnungen die 3000- 4000 USD pro Monat kosten. Die chinesischen Kasinobetreiber und deren Mitarbeiter konnten es sich leisten.

Die Chinesen lösten einen regelrechten Bau-Boom aus, überall in der kleinen Stadt sah man plötzlich riesige Kraene, Lastwagen, die Straßen und die Infrastruktur war in kürzester Zeit überfordert, überall enorme Schlaglöcher und als die Regenzeit begann, extreme Überflutungen. Man hatte einfach alles aufgeschüttet, um neues Bauland zu gewinnen, ohne zu bedenken, was das für Folgen in der Regenzeit hat! Viele Khmers haben sehr gute Geschäfte gemacht, leider nur Landbesitzer, alle anderen waren die Verlierer, sie konnten sich genauso keine Mieten mehr leisten, Tuk-Tuk Fahrer schlafen im Tuktuk, in Hängematten oder auf kleinsten Raum in Baracken.

Sihanoukville casino

Viele der Einheimischen mussten wie alle anderen wegziehen, in eine andere Stadt bzw. Provinz. Die meisten westlichen Auswanderer sind nach Kampot gezogen, einem kleinen beschaulichen Nest zwischen Sihanoukville und Phnom Penh.

Auch wir sind kurze Zeit nach Kampot gegangen, es war allerdings nicht ganz meines, da hier zu viele Auswanderer auf kleinem raum zusammen kamen und der Flair von Kambodscha für mich verloren ging.

Leider waren die letzten Jahre nicht nur positiv, auch die ein oder andere schlechte Erfahrung blieb nicht aus. So habe ich für einen Deutschen eine Plattform für ein sogenanntes alternatives Pensionssystem einwickelt, was sich im Nachhinein als grosser Betrug herausgestellt hat. Als mir auffiel, dass es sich um einen Betrug handelt, habe ich sofort die Polizei und Medien eingeschaltet, man konnte mich dann sogar in Spiegel TV sehen. Dieser Herr versuchte dann meine Familie und mich zum Schweigen zu bringen und hat mir sogar mehrmals einen Schläger zu meinem Haus in Kampot geschickt.

Damals spielte ich mit dem Gedanken mein Leben als digitaler Nomade abzubrechen, es wurde mir zu gefährlich.

Aber nein, ich lass mich nicht so leicht unter kriegen. In den letzten Jahren habe ich so viel neues kennengelernt, so viel positives durfte ich erleben. Die Einheimischen, die mich sehr nett aufgenommen haben, meine Frau die ich schätzen und lieben gelernt habe. Als ich 2017 nach Kambodscha ging, wog ich sage und schreibe 140 kg, mittlerweile nur noch 89 kg. Durch meine Auswanderung nach Asien habe ich meine Nahrung und meinen Lebensstil komplett umgestellt. Ich fühle mich nun deutlich besser, mache regelmäßig Bewegung an der frischen Luft, schwimme im Meer, bin aber trotzdem noch so produktiv wie zuvor.

mit 140kg
Mit 140 KG
Mit 89 Kg
Mit 89 KG

Da uns Kampot nicht wirklich zugesagt hat, sind wir erst weiter nach Phnom Penh und später nach Vietnam gezogen. Mittlerweile leben und arbeiten wir in Vietnam, in einem kleinen Küstenstädtchen namens Vung Tau. Ich fühle mich einfach am wohlsten in der naehe von einem schönen Strand und Natur.

My wife and me

Mein Arbeitsalltag ist inzwischen sehr routiniert geworden. Ich stehe morgens auf, arbeite an bestehenden Projekten bis 15:00. Da wir 6 Stunden Zeitverschiebung haben, ist es da erst 10:00 morgens in Deutschland oder Österreich. Von 15:00 bis 18:00 ist meine Sport und Freizeit, die ich jedoch sehr abwechselnd verbringe, mal gehts Schwimmen an den Strand, mal zum Tischtennis oder auf den nahe gelegenen Berg zum Spazieren. Von 18:00 bis 22:00 sitze ich wieder vorm Computer und arbeite. Der Traum vom Auswandern ist möglich, mit harter Arbeit und Disziplin. Mir kommt es so vor, als müsse man als Software-Entwickler noch mal so genau und zuverlässig sein, da man seine Dienste ja remote anbietet und viele Kunden lieber doch Programmierer vor Ort bevorzugen.

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